Stromvertrag verstehen: Grundpreis, Arbeitspreis und Abschlag sauber trennen
Wer einen Stromtarif beurteilt, sollte zunächst drei Dinge auseinanderhalten: den Preis pro Kilowattstunde, die festen monatlichen Kosten und die tatsächlich gezahlten Abschläge. Die folgenden Rechenbeispiele zeigen, warum diese Unterscheidung wichtig ist.
Mit diesen Rechnern selbst nachvollziehen
Die Beispiele im Beitrag verwenden frei gewählte Annahmen. Mit den folgenden Rechnern kannst du andere Werte einsetzen und den Rechenweg nachvollziehen.
Welche Preisbestandteile zählen?
Der Arbeitspreis wird für jede verbrauchte Kilowattstunde berechnet. Der Grundpreis fällt meist unabhängig davon an. Für ein vereinfachtes Jahr gilt: Jahreskosten = Verbrauch in kWh × Arbeitspreis in Euro/kWh + zwölf × Grundpreis pro Monat. Die Formel setzt zwölf Abrechnungsmonate mit gleichbleibendem Preis voraus. Weitere Tarifbestandteile sind nicht automatisch abgebildet.
Zwei fiktive Angebote mit denselben 3.000 kWh
Tarif A kostet in diesem Beispiel 0,31 Euro je kWh und 10 Euro Grundpreis monatlich. Daraus folgen 3.000 × 0,31 + 12 × 10 = 1.050 Euro. Tarif B hat 0,29 Euro je kWh, aber 17 Euro Grundpreis im Monat: 3.000 × 0,29 + 12 × 17 = 1.074 Euro. Trotz des niedrigeren Arbeitspreises ist Tarif B hier um 24 Euro teurer.
Bei welchem Verbrauch kippt das Ergebnis?
Die feste Preisdifferenz beträgt zwischen den Modelltarifen zwölfmal sieben Euro, also 84 Euro pro Jahr. A verlangt 0,02 Euro mehr je Kilowattstunde. 84 Euro geteilt durch 0,02 Euro je kWh ergeben 4.200 kWh. Bei genau diesem angenommenen Verbrauch sind beide Jahreskosten identisch, sofern keine weiteren Vertragsbestandteile hinzukommen.
Der Abschlag ist keine Preisgarantie
Ein monatlicher Abschlag ist eine Vorauszahlung auf erwartete Kosten. Liegt die tatsächliche Nutzung später höher oder niedriger, kann die Jahresabrechnung abweichen. Auch elf statt zwölf Abschlägen machen einen beworbenen Monatsbetrag ohne Kenntnis des Abrechnungsmodells schwer vergleichbar.
Was beim Vertrag zusätzlich gelesen werden muss
Kündigungsfristen, Preisgarantien, Boni, Mindestlaufzeit, Preisänderungsklauseln und mögliche zusätzliche Entgelte können einen scheinbar günstigen Tarif verändern. Vergleiche stets denselben Jahresverbrauch, dieselbe Vertragsdauer und den tatsächlich anwendbaren Gesamtpreis. Die Rechnung hier ist keine Tarifempfehlung.
Weiterlesen und selbst rechnen
Die Verbraucherzentralen erläutern aktuelle Kriterien für die Tarifauswahl: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/preise-tarife-anbieterwechsel/so-finden-sie-den-passenden-strom-oder-gastarif-6436 . Mit dem Stromkostenrechner einschließlich Grundpreis lassen sich dieselben Beispiele für eigene Angebotswerte nachvollziehen.
Passende AshleySun-Werkzeuge
Je nach Thema findest du auf AshleySun passende Rechner oder Apps. Die Rechen- und App-Oberflächen sind von diesem redaktionellen Hintergrundwissen getrennt, damit klar bleibt, was Erklärung und was Werkzeug ist.